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Russlands Automobilhersteller bauen ihre Kapazitäten aus

Immer mehr Kfz-Zulieferer siedeln sich an / Lkw-Konzerne investieren in Fahrerkabinen / Von Bernd Hones

 

Moskau (gtai) - Am russischen Automobilmarkt wurden 2012 rund 2,9 Mio. Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verkauft. Das ist ein neuer Rekordwert und entspricht einem Plus von knapp 11% gegenüber 2011. Damit wurde auch das bisherige Top-Ergebnis aus dem Vorkrisenjahr 2008 überboten. Für 2013 rechnen die Experten allerdings nicht mit großen Sprüngen. Trotzdem bauen die in- und ausländischen Hersteller ihre Produktionskapazitäten aus, denn die langfristigen Perspektiven sind gut.

Laut Jörg Schreiber von der Association of European Businesses (AEB) in Moskau erwarten ihre Mitglieder eine gleichbleibende Nachfrage. "Die Käufer verhalten sich wieder vorsichtiger", so Schreiber. Außerdem seien die Kreditzinsen von derzeit 15 bis 16% pro Jahr zu hoch für die Verbraucher.

Die größten russischen Automobilhändler prognostizieren für 2013 ein wesentlich langsameres Wachstumstempo. Sie rechnen mit einem Plus von nur 1,5 bis 5,0%. Pessimistischen Schätzungen zufolge werden 2013 voraussichtlich gut 3,0 Mio. Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verkauft, wenn alles optimal läuft sogar knapp 3,2 Mio. Fahrzeuge.

Der wichtigste Grund für einen optimistischen Ausblick: Die Hälfte aller Autos auf Russlands Straßen ist älter als zehn Jahre, der Ersatzbedarf deshalb riesig. Außerdem kommen auf 1.000 Russinnen und Russen gerade einmal 271 Automobile; in Deutschland sind es 564, in den USA 802. Die Marke von 3,5 Mio. verkauften Kfz pro Jahr dürfte in Russland in zehn Jahren überschritten werden.

Dagegen sagen die Autoren des Branchenportals Auto-dealer.ru für 2013 einen Nachfragerückgang um 5% vorher. Auch der geschäftsführende Direktor des Marktforschungsunternehmens Awtostat prognostiziert ein Minus - von 3%. Diese Marktexperten begründen ihre Prognose mit dem zunehmenden Nachlassen der Wachstumsdynamik im Laufe des Jahres 2012.

 

Entwicklung des russischen Marktes für Pkw und leichte Nfz (in 1.000 Stück)
2008 2009 2010 2011 2012 Veränderung 2012/2011 in %
Absatzzahlen 2.771 1.466 1.911 2.650 2.935 11

Quelle: Association of European Businesses

 

Russlands meistverkaufte Automarken 2012 (in Stück)
Marke 2011 2012 Veränderung 2011/2010 (in %)
Lada 578.387 537.625 -7
Chevrolet 173.484 205.042 18
Renault 154.734 189.852 23
Kia 152.873 187.330 23
Hyundai 163.447 174.286 7
VW 118.003 164.702 40
Nissan 138.827 153.747 11
Toyota 119.505 153.047 28
Ford 118.031 130.809 11
Skoda 74.074 99.0247 34

Quelle: Association of European Businesses (AEB)

 

Zum 1. September 2012 hat die Russische Föderation eine Abwrackgebühr (Recyclinggebühr) von mindestens 500 Euro für Pkw und mindestens 3.750 Euro für Lkw aus ausländischer Fertigung eingeführt. Hersteller mit einer Produktionsstätte in Russland entgehen dieser Abgabe über eine Verpflichtungserklärung zur Rücknahme gebrauchter Fahrzeuge; Importeuren steht diese Option nicht offen. Für russische Industriepolitiker und Freihandelsgegner ist die Maßnahme ein großer Erfolg: sie ließ die Importe von Lkw im September 2012 im Vergleich zum Vormonat auf ein Viertel beziehungsweise 4.400 Stück einbrechen. Die Verkäufe von Pkw gingen im September um 48% auf 68.800 Fahrzeuge zurück. Eine Reihe von ausländischen Herstellern, darunter Ford, Toyota und Renault, erhöhten wegen der Abwrackgebühr die Preise auf Importfahrzeuge.

 

Investitionsschub in der Automobilindustrie

 

Das russische Unternehmen Awtotor und Magna planen in der russischen Exklave Kaliningrad die Gründung eines Kfz-Clusters mit insgesamt 21 Unternehmen. Insgesamt sollen knapp 3 Mrd. Euro in sechs Montage- und fünfzehn Zulieferbetriebe investiert werden. Ziel ist es, die Produktion zunächst bis 2015 auf 150.000 Automobile und dann bis 2018 auf 250.000 Kfz zu steigern. Zu diesem Zeitpunkt soll ein Lokalisierungsgrad von 48% erreicht werden. Awtotor verhandelt für sein Vorhaben mit den Konzernen Kia, Land Rover, Subaru, BMW, Hyundai und GM. Allein BMW will in den kommenden Jahren 350 Mio. Euro investieren und die Produktionskapazitäten auf 50.000 Pkw pro Jahr steigern. Unter den 15 Zulieferbetrieben sollen sich neben dem deutschen Unternehmen Eberspächer auch Firmen wie Johnson Controls, Lear Corporation und Fagor befinden, berichtete RBK daily.

Das Joint Venture GM-AwtoWAZ will über seine Tochterfirma JV Systems einen neuen Produktionsbetrieb auf dem Gelände der Sonderwirtschaftszone Togliatti in der Region Samara errichten. Dort soll künftig der Geländewagen Chevrolet Niva montiert werden. Bereits im Frühjahr 2013 wird der Bau eines Press- und Karosseriewerkes, eines Testlabors und eines Logistikzentrums beginnen (Investition: über 150 Mio. Euro).

Der russische Traditionskonzern AwtoWAZ wird sich bald komplett dem Diktat des französischen Anteilseigners Renault unterwerfen müssen. Die AwtoWAZ-Aktionäre bestätigten Mitte Dezember 2012 ein entsprechendes Übernahmeschema. Es wurde ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, in das 74,5% der AwtoWAZ-Aktien übergeben werden und an dem die Allianz Renault-Nissan einen Anteil von 67,13% halten wird. Dabei geht das Kontrollpaket an Renault. Ein Modernisierungsprogramm mit einem Volumen von 177 Mrd. Rubel (rund 4,5 Mrd. Euro) soll den angeschlagenen russischen Autobauer wieder fit machen. Zur Finanzierung wird die russische Vneschekonombank mit einem Kredit über 60 Mrd. Rubel (über 1,51 Mrd. Euro, EZB-Wechselkurs vom 9.1.13: 1 Euro = 39,71 Rubel) beitragen, sagte Premierminister Dmitri Medwedew Ende 2012.

Der deutsche Volkswagenkonzern will in den kommenden drei Jahren 840 Millionen Euro in seine russischen Produktionsstätten investieren. Davon fließen 250 Mio. Euro in ein neues Motorenwerk in Kaluga. Ab 2015 sollen dort 150.000 Benzinmotoren gefertigt werden. Mit dem restlichen Geld werden die Kapazitäten an den Standorten Kaluga und Nischni Nowgorod, wo Volkswagen ein Joint Venture mit dem lokalen Produzenten Gorkowski Awtomobilnyi Zawod eingegangen ist, erweitert. Bis zum Jahr 2016 sollen die Kapazitäten in Kaluga auf 225.000 Automobile und in Nischni Nowgorod auf 132.000 Automobile steigen.

Insgesamt wurden im Jahr 2012 rund 2,1 Mio. Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in Russland produziert.

 

Immer mehr Kfz-Zulieferer siedeln sich in Russland an

 

Der kanadische Kfz-Teile-Hersteller Magna will für 1,7 Mrd. Rubel (knapp 43 Mio. Euro) eine neue Produktion in der Region Nischni Nowogorod bauen und das bestehende Werk modernisieren. Ab 2014 soll die neue Anlage laufen und Stoßstangen, Armaturenbretter, Verschlussdeckel für Kraftstofftanks und Rahmen für Motorkühler fertigen.

Ende Dezember 2012 gaben der schwedische Konzern Finnveden Bulten und die GAZ-Gruppe die Gründung eines Joint Ventures bekannt. Auf dem Betriebsgelände des Automobilriesen GAZ in Nischni Nowgorod soll eine Produktionsstätte zur Herstellung von Befestigungsteilen entstehen. Bulten will dafür 7 Mio. Euro investieren. Die Produkte sollen aber nicht nur in Fahrzeugen der Marke GAZ Verwendung finden, sondern auch an andere Abnehmer geliefert werden.

Der deutsche Konzern Bosch hat vor, ab Mitte 2013 ein weiteres Werk in Russland zu bauen. Für 40 Mio. Euro wird ein Produktionskomplex in der Region Samara entstehen. Ab 2015 will Bosch dort Antiblockiersysteme und Generatoren, später auch Starter und Common Rail Injektoren für Nutzfahrzeuge herstellen Ende 2017 sollen vor Ort bis zu 500 Beschäftigte arbeiten.

Mitte Dezember 2012 wurde bekannt, dass sich in der Sonderwirtschaftszone Togliatti (Region Samara) drei weitere Teilehersteller niederlassen: das japanische Unternehmen Hi-Lex Corporation, das Gemeinschaftsunternehmen Toyota Tsuho - Atsumitec und die türkische Orhan Holding. Zusammen wollen sie 2,5 Mrd. Rubel (circa 63 Mio. Euro) investieren.

Die türkische Firma Coskunoz plant einen Betrieb zur Produktion von gestanzten Karosserieteilen in der Sonderwirtschaftszone Alabuga der Republik Tatarstan. Die Investition wird auf 2,3 Mrd. Rubel (knapp 58 Mio. Euro) beziffert. Die Teile sollen in erster Linie an das russisch-amerikanische Unternehmen Ford-Sollers verkauft werden, das ebenfalls in Alabuga produziert.

Die serbische Firma Farmakom MB will künftig in Kaluga 5 Mio. Akkumulatoren für Personen- und Lastkraftwagen pro Jahr produzieren. Die geplante Investition beläuft sich auf 80 Mio. Euro. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten Ende Oktober 2012 Konzernchef Miroslaw Bogitschewitsch und der Gouverneur des Gebietes Kaluga, Anatoli Artamonow.

Der polnische Kunststoffverarbeiter und Automobilzulieferer Boryszew plant eine Produktion von Spritzgusskomponenten im russischen Dzerschinsk im Gebiet Nischni Nowgorod. Für den ersten Bauabschnitt sind Finanzmittel von 15 Mio. Euro vorgesehen.

 

Lkw-Hersteller erhöhen Lokalisierungsgrad

 

Im Jahr 2013 werden in Russland voraussichtlich 135.000 schwere und mittelschwere Lastkraftwagen verkauft, so viel wie 2012. Das prognostizierte die Marktforschungsagentur Awtostat Ende 2012. Besonders dynamisch dürften sich das Premium- und das Low-Budget-Segment entwickeln. Dagegen werden Lastkraftwagen im mittleren Preissegment weniger nachgefragt, glaubt der geschäftsführende Direktor, Sergei Udalow.

Der russische Lkw-Hersteller Kamaz produzierte 2012 über 51.000 Lastkraftwagen. Das waren 7% mehr als im Vorjahr. Außerdem fertigte Kamaz 54.000 Motoren und Getriebe, rund 4% mehr als 2011. Das Investitionsprogramm des Lkw-Riesen sieht bis zum Jahr 2020 Ausgaben in Höhe von 60 Mrd. Rubel (1,5 Mrd. Euro) vor. Allein 2013 will der führende Hersteller schwerer Lastkraftwagen 9 Mrd. Rubel (knapp 230 Mio. Euro) in die Modernisierung seiner Produktion investieren. In den kommenden fünf Jahren wird Kamaz Ausrüstung für eine Produktionslinie kaufen und über 200 Mio. US$ in die Wagenachsfertigung investieren. Außerdem sollen ab 2013 Fahrerkabinen für Kamaz und Mercedes Benz Trucks Vostok auf Basis einer Lizenz von Daimler gebaut werden. In dieses Projekt steckt Kamaz weitere 200 Mio. US$.

Der schwedische Scania-Konzern will bis Ende 2015 zusätzlich rund 70 Mio. Euro in sein Werk in Sankt Petersburg investieren. Damit soll die Produktion auf bis zu 7.000 Fahrzeuge pro Jahr gesteigert werden. Den Schritt in Richtung verstärkte Lokalisierung geht Scania in erster Linie aufgrund der Recyclinggebühr auf Importfahrzeuge, die sich bei Scania-Lkw auf 6.460 bis 12.750 Euro pro Fahrzeug beläuft. Zudem will Scania sein Händlernetz ausbauen, das derzeit aus 50 Filialen besteht. Jahr für Jahr sollen zehn weitere hinzukommen.

Der schwedische Lkw-Hersteller Volvo Trucks will an seinem Standort in Kaluga ein Werk für Fahrerkabinen bauen (Investition: 92 Mio. Euro). Geplant ist eine Kapazität von 15.000 Fahrerkabinen pro Jahr. Produktionsstart soll 2014 sein. Volvo Trucks verfügt in Kaluga bereits über Kapazitäten zur Montage von 15.000 Lkw pro Jahr.

 

Bushersteller investieren in Produktionsausbau und Elektrobusse

 

Das Jahr 2012 verlief ausgezeichnet für Russlands Bushersteller. Branchenprimus UAZ steigerte die Produktion um 180% auf über 7.000 Fahrzeuge. Das Unternehmen ST Nischegorodez verdoppelte die Produktion, das Buswerk Likinsk legte um das 2,4fache zu und WAP Wolschanin versechsfachte den Output.

Der Anteil Busse ausländischer Marken an der russischen Produktion ging dagegen auf 16% zurück. Das lag in erster Linie an Fiat. Im Jahr 2012 wurden weniger Fiat Ducato gefertigt als noch vor einem Jahr, schreibt die Wirtschaftszeitung Kommersant.

Das Gorkowski Awtomobilnyi Zawod (GAZ) will die Bussparte in den kommenden Jahren ausbauen. Dazu sollen bis 2017 rund 4 Mrd. Rubel (rund 10 Mio. Euro) investiert werden. Rund 1,3 Mrd. Rubel fließen in das Projekt Unimax. Busse aller Klassen und Bestimmungen sollen künftig nach einem Modulprinzip gefertigt werden. Der Rest des Geldes wird für die Lackiererei ausgegeben und für die Umstellung der Motoren auf die Euro-4-Norm.

Der Lkw-Hersteller Kamaz könnte sich künftig im Elektrobus-Segment engagieren. Für den Prototypen Nefaz-52992 hat die Kamaz-Tochter Nefaz ein Zertifikat als "erlaubtes Transportmittel" erhalten. Das Modell wurde für das Unternehmen Twel, eine Tochterfirma von Rosatom, angefertigt und wird derzeit in Nowosibirsk getestet, schreibt die Tageszeitung Wedomosti. Neben Nefas beschäftigen sich auch die GAZ Gruppe und der Hersteller Trolsa aus der Region Saratow. Die Trolsa-Elektrobusse wurden bereits in Moskau getestet.

Ein wichtiger Zulieferer der russischen Busindustrie ist der deutsche Konzern ZF Friedrichshafen. ZF wird Firmenangaben zufolge 1.083 Busse des Moskauer Verkehrsunternehmens Mosgortrans mit moderner Antriebs- und Fahrwerktechnik ausstatten.

 

Marktvolumen für große Autobusse in Russland 1)
Jahr Neuverkäufe (in Stück) davon Anteil der GAZ Gruppe (in %)
2009 11.950 76
2010 13.738 70
2011 18.282 64
2012 2) 16.600 67
2013 2) 17.700 68
2014 2) 18.300 67
2015 2) 19.500 67

1) ohne Kleinbusse; 2) Prognose

Quelle: GAZ Gruppe (zitiert in der Wirtschaftszeitung Wedomosti)