RU

DE

EN

Vollstandiger Name *

Programm *

Bildung *

Anfang *

Ende *

Spezialitat *

Job

Telefon *

Adresse

E-mail *


Wir kontaktieren Sie bald.
  »  Главная  »  Aktuelles

GTAI: Russlands Rohstoffriesen und IT-Firmen auf Auslandskurs

Ukraine-Krise könnte Investitionen und Handel mit Deutschland stark beeinträchtigen / Von Bernd Hones und Thomas Bozoyan

 

Moskau (gtai) - Wenn russische Firmen im Ausland investieren, dann meistens in Rohstofflagerstätten, Stahlhütten oder Handelsniederlassungen. Die aktivsten Direktinvestoren kommen aus den Sektoren Öl und Gas, Metallurgie, Chemie, Logistik und IT. Russland diskutiert zwar staatliche Hilfen für seine Investoren im Ausland, doch geschehen ist bislang wenig. Mit der Ukraine-Krise verschieben sich auch die Schwerpunkte: Künftig dürften mehr Investitionen nach Asien fließen. Deutschland bleibt aber beliebt.

 

Zukünftige Entwicklung der Direktinvestitionen im Ausland

 

Russland gehört zu den größten Rohstofflieferanten weltweit. Und obwohl es Erdöl, Gas, Kohle, Gold, Diamanten und metallische Erze in Hülle und Fülle gibt, investieren Russlands Rohstoffkonzerne auch im Ausland in Lagerstätten oder in die Distributionsstrukturen. Daher überrascht es nicht, dass sich dem Rating des Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen zufolge 2011 auf der Liste der 20 russischen Unternehmen mit den wertvollsten Auslandsaktiva hinter den Spitzenreitern Lukoil und Gazprom nur andere Rohstofffirmen, Metallurgieunternehmen sowie zwei Transportfirmen, der Mischkonzern Sistema und der Düngemittelhersteller Akron fanden. Daran hat sich bis heute wenig verändert und wird es auch künftig nicht grundlegend. Nur im IT-Sektor bestehen höchst wettbewerbsfähige Unternehmer, die ins Ausland wollen.

 

Die wichtigsten russischen Auslandsinvestoren kommen aus traditionellen Branchen und sind in der Regel riesige Konzerne. Mittelständischen und kleinen Unternehmen dagegen fehlen nicht nur die Kenntnisse über Auslandsmärkte, sie haben meist auch nicht die nötigen finanziellen Reserven, um außerhalb Russlands zu investieren. Vor allem im Maschinenbau und in der Leichtindustrie sind russische Unternehmen kaum wettbewerbsfähig auf den Weltmärkten. Sie leben einzig und allein vom Schutz durch die russische Regierung, die den einheimischen Markt für sie abzuschotten versucht. Große Investitionsprojekte bei privatwirtschaftlich geführten Unternehmen aus technologisch anspruchsvollen Branchen haben Seltenheitswert. In der Regel sind die russischen Betriebe stark rückständig und suchen eher nach strategischen Investoren aus dem Ausland, als selbst aktiv zu werden.

 

Eine Ausnahme bilden russische IT-Firmen. Sie werden immer aktiver auf Auslandsmärkten. Zuletzt waren die Exporte jedes Jahr um ein Fünftel gewachsen. Im Jahr 2013 beliefen sich die Software-Ausfuhren auf 5,2 Mrd. US$. Häufig erzielen russische IT-Firmen nur noch einen Bruchteil ihrer Umsätze auf dem inländischen Markt.

 

Die IT-Firmen investieren aber nicht nur immer mehr auf Auslandsmärkten, einige verlagern sogar ihren Firmensitz ins Ausland. So hat der Software-Hersteller Luxoft angekündigt 500 Arbeitsplätze nach Westeuropa zu verlegen. Im Frühjahr 2014 hat der Gründer des größten russischen Kontakt-Netzwerkes VKontakte seine Zelte in Russland abgebrochen und ist mit zwölf seiner besten Programmierer nach Zentraleuropa gezogen, um dort den Internet-Massenger Telegram weiter zu entwickeln.

 

Außerhalb des Rohstoff- und IT-Sektors wird investiert in Handelsbüros und in Dienstleister, die beim Einkauf oder bei Transport und Logistik helfen sollen. Auch in die Tourismusbranche fließen russische Direktinvestitionen. Denn mit steigenden Gehältern stiegen zuletzt auch die Urlaubsausgaben. Weil Hotels in Russland überteuert sind und der Service meist zu wünschen übrig lässt, zieht es die neue Mittelschicht aus Russlands Großstädten ins Ausland. Dieses Geschäft versuchen findige russische Geschäftsleute zu erschließen und eröffnen dort eigene Tourismusbüros.

 

Bislang konzentrierten sich die Engagements russischer Unternehmen auf den GUS-Raum sowie Europa. Danach kamen Aktivitäten in den USA oder Kanada. Allerdings sind Russlands Investoren dort im Augenblick eher auf dem Rückzug. Stahlhersteller etwa trennten sich bereits vor der Ukraine-Krise wieder von einigen unrentablen Fabriken und die in verschiedenen Regionen der Welt aktive Vympelcom-Telekommunikations-Holding will sich von seinen Aktiva in Kanada trennen, teilte Firmenchef Jo Lunder Mitte Mai 2014 mit.

 

Wenn Russen im Ausland investieren, dann aus zwei Gründen: Erstens wollen Unternehmen aus dem Rohstoffsektor neue Lagerstätten erschließen und damit die Rohstoffbasis verbessern. Zweitens erschließen sich russische Firmen mit diesem Schritt neue Auslandsmärkte, versprechen sich besseren Zugang zu neuen Technologien, tiefere Verarbeitungsniveaus und wollen tarifäre und nicht-tarifäre Importbarrieren umgehen. Vor allem, wenn es um die Europäische Union geht. Denn im GUS-Raum arbeitet die russische Regierung im Rahmen der Zollunionserweiterung und der Integration in die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft an einem Abschmelzen solcher Barrieren.

 

Außerdem haben viele russische Geschäftsleute ein persönliches Interesse an Investitionen im Ausland. Die enge Verzahnung zwischen Politik und Unternehmertum in Russland birgt Gefahren. Wer in der Gunst einflussreicher Politiker auf föderaler oder regionaler Ebene sinkt, dessen Geschäftsmodell kann Begehrlichkeiten wecken. Um ihre Schäfchen vor Willkür und feindlichen Übernahmen in Sicherheit zu bringen, verlagern etliche Unternehmer einen Teil ihres Geschäftes ins Ausland. Auch wenn die Margen niedriger sind als am heimischen Markt - gelenkte Gerichtsprozesse oder übereifrige Brandschutz-Beamte fürchten sie in Deutschland nicht.

 

GUS, Europa, Nordamerika - angesichts des aktuellen Ukraine-Konfliktes könnten diese Regionen schon bald den Status als wichtigste Ziele russischer Direktinvestitionen im Ausland verlieren. Das ergab eine Studie des Beratungsunternehmens Ernst & Young. Sie wurde Ende Mai 2014 veröffentlicht. Danach gaben drei Viertel aller befragten russischen Unternehmen an, sie wollten in den kommenden zwölf Monaten in den BRIC-Staaten investieren. Laut der Studie planten dagegen nur 6% der Konzerne Investitionen in den westlichen Industrieländern. Die VR China steht derzeit hoch im Kurs. Offensichtlich wurde dieser Trend auch beim St. Petersburger Wirtschaftsforum im Mai 2014 als mehrere russisch-chinesische Investitionsprojekte unterzeichnet wurden.


WEITER LESEN>>