RU

DE

EN

Vollstandiger Name *

Programm *

Bildung *

Anfang *

Ende *

Spezialitat *

Job

Telefon *

Adresse

E-mail *


Wir kontaktieren Sie bald.
  »  Главная  »  Aktuelles

DIHK: Russland: Die Unternehmen sind vorsichtig geworden

(26.09.2014) Der Ukraine-Konflikt wird das Vertrauen der deutschen Wirtschaft in den Investitionsstandort Russland wohl langfristig beeinträchtigen: Diese Einschätzung hat Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), jetzt in einem Zeitungsinterview geäußert.

 

 

Nachfolgend zitieren wir das Gespräch mit der  "Südwest Presse" im Wortlaut:


"'Südwest Presse': Herr Treier, welche Bilanz ziehen Industrie und Handel bisher zur Wirkung der Russland-Sanktionen?

 

Volker Treier: Es gilt das Primat der Politik. Sie hat entschieden, welche Mittel sie wählt, um dem Vorgehen Russlands in der Ukraine etwas entgegenzusetzen. Sanktionen treffen die Wirtschaft, insofern haben wir gemahnt, die Folgen zu bedenken. Aber die getroffenen Maßnahmen sind nachvollziehbar und auch wohlgesetzt, weil sie sich auf neuralgische Punkte der Verwundbarkeit Russlands beziehen.

 

'Südwest Presse': Es gab in der Industrie auch kritischere Stimmen. Wie groß ist der Dissens unter Ihren Mitgliedern noch?

 

Treier: Das ist ein heikles Thema. Gerade aus dem Mittelstand und besonders aus dem Maschinenbau sind die Klagen nachvollziehbar. Für den deutschen Maschinenbau ist Russland der viertwichtigste Absatzmarkt. Mit den Sanktionen im Bereich der Dual-Use-Güter werden dem Maschinenbau zudem hohe bürokratische Auflagen aufgebürdet, ob und was er noch nach Russland liefern darf. Das sollte im Zweifel zugunsten der Unternehmen ausgelegt werden. Da geht es für hochspezialisierte Unternehmen teilweise um die Existenz.

 

'Südwest Presse': Die EU-Bauern werden zum Teil entschädigt für Sanktionsfolgen, ist ähnliches in der Industrie denkbar?

 

Treier: Wir wollen mit Hilfe der IHK-Organisation Unternehmen, für die der russische Markt eine sehr hohe Relevanz hat, beratend bei der Suche nach Alternativen unterstützen. In finanzieller Hinsicht haben die Landwirte den Vorteil, dass es EU-Fonds gibt, die sofort angezapft werden können. Für die Industrie gibt es kein solches Instrument. Gegebenenfalls müssen wir in den kommenden Monaten aber darüber diskutieren. Letztlich können nicht die einen Unterstützung erhalten, die anderen nicht.

 

'Südwest Presse': Wie hoch bewerten Sie derzeit das Risiko einer weiteren Eskalation?

 

Treier: In den letzten Tagen hat es eher den Anschein, als habe die russische Seite verstanden, wie verwundbar sie ist. Es gibt keine Hinweise auf weitere russische Reaktionen. So ist die Diskussion über ein Überflugverbot nicht wieder aufgeflammt. Auch bei den Kämpfen in der Ukraine scheint die Einflussnahme der russischen Seite abzunehmen.

 

'Südwest Presse': Also vorsichtiger Optimismus, dass es zumindest keine weitere Verschärfung gibt. Wie groß ist der Vertrauensverlust in der deutschen Wirtschaft?

 

Treier: Die Firmen sind sehr wachsam geworden in Bezug auf künftige Entwicklungen. Das sehen wir bei Investitionen in den russischen Markt. Da wird sehr viel zurückgestellt. Viele Unternehmer kommen zur Überzeugung, dass ein solches politisches Risiko für sie nicht kalkulierbar ist.

 

Wir hatten in diesem Jahr für den russischen Markt ein Exportwachstum von 5 Prozent erwartet und haben unsere Prognose jetzt auf minus 20 Prozent gesenkt. Das ist ein Einbruch. Und Russland ist nach den USA, China und der Schweiz unser viertwichtigster Investitionsstandort außerhalb der EU. Der Handel kann sich relativ schnell erholen, aber das Vertrauen in den Investitionsstandort kehrt auch nach einer Beilegung des Konflikts nicht so schnell zurück."

 

Quelle: http://www.dihk.de/presse/meldungen/2014-09-26-treier-interview