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Deutschland-Russland Kontinuität bewahren

(Stimme Russlands) In Moskau fand das 7. Mitgliedstreffen des Deutsch-Russischen Forums in Kooperation mit der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer statt. Das Thema lautete: „Deutschland-Russland. Kontinuität bewahren." Hat die deutsch-russische Partnerschaft eine Zukunft, oder werden die Beziehungen abflauen? Dazu diskutierten prominente Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.

Das Treffen wurde in einer Zeit durchgeführt, in der viele ähnliche Treffen ausfallen, betonte Matthias Platzeck, der Vorstandsvorsitzende des Deutsch-Russischen Forums. Man muss heute Mut besitzen, um an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Darum war es so wichtig, dass auch Franz Thönnes, der stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, dabei war, sowie andere bekannte Personen.


„Es ist nicht normal in diesen Zeiten, es finden nicht alle Dialoge statt, die Tradition haben, die eigentlich auch nötig sind, sondern es gibt auch einige, die mittlerweile aus verschiedenen Gründen verschoben werden. Wir leben auch in einer Zeit, wo diejenigen, die sich für Dialogforen einsetzen, sich manchmal rechtfertigen müssen, dass diejenigen, die verstehen wollen, die den Partner von der anderen Seite besser kennenlernen wollen, sich erklären müssen, warum sie Russlandversteher sind, und nicht selten auch gleich Verdächtigungen ausgesetzt werden. Nie in den letzten 20 bis 25 Jahren war der Dialog wertvoller als heute, nie war er nötiger als heute."


Matthias Platzeck ist davon überzeugt, dass man sich treffen muss. Denn wenn man Hunderte Verhandlungen geführt hat, durch Hunderte Türen gegangen ist, und das alles keinen Erfolg hatte, dann muss man eben an die 101. Tür klopfen. Es gibt dazu keine Alternative. Heute spielen Klarheit, Ehrlichkeit unter Partnern, Respekt und Geduld miteinander eine entscheidende Rolle. Matthias Platzeck betont zwei Dinge, die seiner Meinung nach immer wichtig bleiben.


„Ich finde es als außergewöhnliche Leistung des russischen Volkes, dass nach den Gräueltaten, die die deutsche Wehrmacht und SS von 1941 bis 1945 auf russischem Boden angerichtet haben, das russische Volk bereit, willens und fähig war für die Versöhnung. Das war nicht zu erwarten, das kann man nicht verlangen, sondern dankbar entgegennehmen. Und ich bin bis heute als Deutscher dafür dankbar. Und ich sage das auch als jemand, der direkt als Mitglied einer Landesregierung damit befasst war. Der größte Abzug der russischen Truppen, den es nie jemals gegeben hat im Frieden, es gab keine größere logistisch-militärische Operation als diesen Abzug der russischen Truppen aus dem Osten Deutschlands, war eine immense Vorleistung. Ich habe in diesen Jahren Generaloberst Bulakow kennengelernt. Er sagte, als Militär konnte er das nicht unterschreiben. Aber gut, ihr habt es versprochen, da wird in die leeren Räume nicht die Nato nachrücken. Jahre später, als wir uns in Moskau getroffen, sagte er: „Siehst du, was habe ich dir damals in den 1990ern gesagt?" Und auch das war eine große Friedensvorleistung, ohne die die europäische Einigung nicht möglich gewesen wäre. Das danke ich den Russen bis heute."


Es ist immer einfacher, zu zerstören als zu bauen. Man braucht zwei bis drei Jahre, um das, was in den letzten paar Monaten kaputtgegangen war, wieder zu errichten. Wie kann man überhaupt vorwärts kommen? Nach Meinung des deutschen Politikers sollte man als erstes die Krim-Frage völkerrechtlich regeln. So dass man eine Lösung am Ende hat, die das Völkerrecht nicht verletzt. Die Sicherheitsbedürfnisse Russlands sollten auch berücksichtigt werden.
„Wenn wir unseren russischen Partnern sagen, ihr müsst vor der Nato keine Angst haben, die Nato ist ein reines Verteidigungsbündnis, wenn die Ängste trotzdem da sind, muss man sie ernst nehmen, sonst kommt man nicht voran."
Die Deutschen und Russen brauchen nun jahrelang viel Geduld, nichts wird sich in Luft auflösen, nichts wird von selbst geschehen. Dafür sind gegenseitige Bemühungen erforderlich, betonte Matthias Platzeck.


In den russisch-deutschen Beziehungen nimmt, neben den vielfältigen gesellschaftlichen und persönlichen Kontakten, die Wirtschaft einen besonderen Platz ein. Mehr als 6.200 deutsche Unternehmer sind in Russland engagiert. Russische Unternehmer investieren nachhaltig in Deutschland. Über Jahrzehnte wurden bestimmte Werte und Vertrauen geschaffen, und darauf könnte man aufbauen. Davon sind 850 Mitgliedsunternehmer der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) überzeugt, betonte ihr Präsident Dr. Rainer Seele. 57 Prozent halten laut einer AHK-Umfrage den russischen Markt für die Zukunft attraktiv. In den letzten Monaten verhalten sich einige Unternehmer wegen der Ukraine-Krise zurückhaltend. Aber...
„Es wird ein „Nachderkrise" geben", so Seele, „und dafür müssen wir heute die Voraussetzung schaffen, wo wir klare Vorstellungen haben, wie wir die Ukraine wiederaufbauen, in den europäischen Verbund integrieren, und wirtschaftlich und politisch stabilisieren können. Aber vor allem auch dafür, wie wir zukünftig die Zusammenarbeit zwischen der EU und Russland gestalten wollen. Es wird Vieles geben, was wir mit unseren russischen Partnern diskutieren müssen, aber Kritik schließt Kooperation nicht aus."


Immer im Dialog bleiben und die Kontinuität bewahren - das ist immer wichtig in Krisenzeiten. Gerade jetzt wird das Potenzial der deutsch-russischen Beziehungen auf die Probe gestellt. Nach dem Ende des Kalten Krieges, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, nach dem Zerfall der Sowjetunion musste man neue Mechanismen der politischen und wirtschaftlichen Einwirkung in der Welt schaffen. Das wurde nicht getan. Dann brach der Krise aus, und in beliebigen Krisen bekommt man Lust, zu alten Methoden zu greifen. Gerade jetzt sehen wir solche Rückfälle, betonte Dr. Sergej Grigorjew, Mitglied der Gesellschaftskammer Russlands und stellvertretender Generaldirektor der „Sibirischen Kohlen- und Energiegesellschaft".


„Die Ukrainische Krise wurde zum Auslöser des ganzen Prozesses. Die Beziehungen Russlands zu den USA und zum Westen insgesamt gestalteten sich in den letzten zwei, drei Jahren aber so, dass es etwas anderes gegeben hätte, wäre nicht die Ukraine-Krise ausgebrochen. Eben weil aus der Sicht der Unterschiede im Wertesystem, aus der Sicht des Strebens Russlands nach Eigenständigkeit in der Weltarena eine solche Krise unvermeidbar war. Wir hoffen, dass wir das Schlimmste in der Ukraine hinter uns haben. Doch wir möchten sehr, dass diese Krise als ein Anstoß zu einem tieferen Erfassen dessen führt, ob wir einander brauchen oder nicht, ob wir uns endgültig entzweien und keinerlei Raum aufbauen wollen, oder ob wir zusammenarbeiten wollen."


Die deutsche Wirtschaft hat sich mehrmals gegen die Sanktionspolitik und gegen die Sanktionsspirale ausgesprochen. Man hat über die Jahre so viel Gutes geleistet, dass man dieses jetzt nicht gefährdet sollte. „Es erschüttert meine Seele", sagte Rainer Seele, wenn er in der Presse liest, wie stark jetzt die russische Wirtschaft Richtung China geht. Das kann nicht im Interesse der deutschen Wirtschaft sein - alles, was die deutschen Unternehmer in Russland gebaut haben, den Chinesen zu überlassen, betonte Seele. Die deutschen wie auch die russischen Unternehmer haben ein deutliches Interesse, eine intensive Wirtschaftsbeziehung fortzuführen. Deutschland werde sehr deutlich seine Technologien anbieten müssen. Das könne man nur, wenn Beschränkung durch die Politik nicht Grenzen setzt. Die deutsche Wirtschaft müsse sich damit beschäftigen, wie man die Sanktionen zurückführen kann, betonten die deutschen Experten.


Ihr Appell geht an die Politik, „nicht einfach die Wirtschaftsaspekte bei ihren Entscheidungen zu ignorieren".

 

24.10.2014, 15:43
Natalia Pavlova