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Öl, Pipelines und seltene Erden

Russland beherbergt den weltgrößten Energiekonzern, ebenso Pipelines von strategischer Bedeutung. Seltene Erden könnten zum Exportschlager werden. Mathias von Hofen berichtet.

Die russische Wirtschaft ist in besonderem Maße auf die Förderung und den Export von Rohstoffen orientiert. So machen Öl, Erdölprodukte und Gas einen Anteil von etwa 69 Prozent an den russischen Exporten aus. Metalle stellen weitere 9 Prozent der Ausfuhren. Es gibt also ein deutliches Übergewicht von Rohstoffen in der russischen Exportbilanz (vgl. GTAI, 24. Februar 2012). Die Bedeutung der Öl- und Gaswirtschaft für Russland zeigt sich auch daran, dass die russische Politik die Entwicklungen in dieser Branche stets mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgte. Wenn aus Sicht der politisch Verantwortlichen die Interessen des Staates wirklich
oder scheinbar bedroht schienen, schreckte die russische Regierung auch nicht vor direkten Interventionen in diese beiden Wirtschaftszweige zurück.
Aufstieg zum weltgrößten Energiekonzern.

In Folge des Zusammenbruchs der Sowjetunion erlebte die russische Ölbranche in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine massive Privatisierungswelle. Der Markt wurde für ausländische Unternehmen geöffnet und viele der Betriebe gingen in die Hände einiger weniger Oligarchen über. Zu den führenden Oligarchen in diesem Bereich gehörten Roman Abramowitsch mit dem Unternehmen Sibneft, Viktor Wechselberg (TNK-BP) und Michail Chodorkowski (Jukos). Ausländische Konzerne wie BP, Shell, Exxon Mobil sowie Ruhrgas und BASF mit seiner Tochter Wintershall erwarben Beteiligungen und Förderlizenzen in Russland oder gründeten Gemeinschaftsunternehmen mit russischen Partnern. Im Gegensatz zur Ölbranche gab es sowohl in der Erdgas- als auch der Stromwirtschaft vergleichsweise wenige Privatisierungen. Ungefähr ab dem Jahr 2000 begann ein deutlicher Anstieg der Öl- und Gasförderung in Russland, der vor allem durch die stark gestiegenen Weltmarktpreise bedingt war. Dadurch rückte die Branche aber auch wieder stärker in den Fokus des Kremls, in dem Wladimir Putin seit Januar 2000 als Präsident residierte. Die russische Regierung begann eine Politik der Renationalisierung im Rohstoffbereich. Ziel war die, von Putin selbst verkündete, Sicherung strategischer Interessen im Öl- und Gassektor. Bei dieser Politik bediente sich die Regierung in besonderem Maße der Staatskonzerne Rosneft und Gazprom.

Das Unternehmen Rosneft hatte in den 90er-Jahren aufgrund der Privatisierungspolitik unter Präsident Jelzin einen massiven Bedeutungsverlust erlitten. Mit der Berufung von Igor Setschin, ein enger Vertrauter von Putin, auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden von Rosneft wurde aber die gestiegene Bedeutung des Unternehmens für die internationale Öffentlichkeit augenfällig. Bei der Enteignung von Jukos kam Rosneft eine zentrale Bedeutung zu: So übernahm Rosneft die größte Produktionsgesellschaft von Jukos nach dessen Zerschlagung. Im Oktober 2012 gab Rosneft die Übernahme des drittgrößten russischen Ölkonzerns, der Firma TNK-BP bekannt. Rosneft übernimmt 50 Prozent des Aktienanteils von TNK-BP von BP (Im Gegenzug wird der BP-Konzern seinen Anteil an Rosneft auf 20 Prozent aufstocken). Damit ist Rosneft der weltgrößte Energiekonzern geworden. (vgl. Ria Novosti, 22. November 2012).


Pipelines von strategischer Bedeutung

 

Der Gasbereich ist in Russland nie in so starkem Maße privatisiert worden wie die Ölförderunternehmen. So hatte die Firma Gazprom auch in den neunziger Jahren bereits die führende Stellung im Gassektor inne und hat diese in den folgenden Jahren konsequent ausgebaut. Mittlerweile entfallen auf Gazprom 85 Prozent der russischen Erdgasförderung und 20 Prozent der weltweiten Förderung. Die russische Regierung hält an Gazprom einen Anteil von knapp über 50 Prozent und verfügt damit im Aufsichtsrat über die Mehrheit der Sitze. Bei den Streitigkeiten Russlands mit den wichtigen Transitländern Ukraine und Belarus in den Jahren 2006 und 2007 spielte Gazprom eine zentrale Rolle. Da Gazprom die Preise für einzelne Abnehmerländer im postsowjetischen Raum individuell und sehr unterschiedlich festlegt, bietet diese Preispolitik immer wieder Konfliktstoff mit den jeweiligen nationalen Regierungen. Von daher wird Gazprom auch häufig mit Vorwürfen konfrontiert, dass die Preispolitik des Unternehmens politisch motiviert sei, insbesondere gegenüber den Nachbarländern Russlands. Gazprom ist, neben dem Gasgeschäft, auch im Medien- und Bankensektor aktiv.

Strategische Bedeutung haben für die russische Energiewirtschaft auch die großen Pipeline- Projekte. Diese haben das Ziel die Abhängigkeit von den Transitländern zu reduzieren. So umgeht die Ostseepipeline, deren zweite Röhre in diesem Jahr in Betrieb genommen wurde, die Transitländer in Osteuropa und schafft eine direkte Verbindung von Russland zum wichtigen deutschen Markt. Russland kann damit jetzt Deutschland und Westeuropa direkt beliefern, womit eine noch größere Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Das Projekt South Stream, das in direkter Konkurrenz zu dem von der EU geförderten Pipeline Projekt Nabucco steht, soll eine Pipeline-Verbindung von der russischen Küste durch das Schwarze Meer und den Balkan bis nach Süditalien bzw. Österreich schaffen. Neben der italienischen Energiegesellschaft Eni und der Firma Wintershall ist an diesem Projekt auch Gazprom führend beteiligt. Die russische Energiepolitik schwankte in den letzten Jahren häufig zwischen dem Bestreben eine stärkere Kontrolle des Staates über den Rohstoffsektor durchzusetzen und dem Interesse an ausländischen Investitionen. Insbesondere im technischen Bereich sind diese sehr erwünscht und daher sind zumindest Minderheitsbeteiligungen ausländischer Unternehmen im russischen Rohstoffsektor möglich. Metall- und Stahlindustrie: Das Erbe der Sowjetunion. Für den russischen Export ist die Metall- und Stahlindustrie nach dem Öl- und Gassektor die wichtigste Branche. Die Metallindustrie hatte besonders unter der Krise der Jahre 2008 und 2009 zu leiden. So entließ zum Beispiel Severstal, eines der beiden größten russischen Stahlunternehmen, an seinem Hauptstandort Tscherepowez, 500 Kilometer nördlich von Moskau, in der Krise tausende Arbeiter. Da der Ort eine der typischen in der Sowjetzeit gegründeten „Monostädte“ ist, in denen ein großes Industriekombinat der einzige Arbeitgeber ist, war hier die soziale Not besonders groß (vgl. Die Welt, 15. Mai 2009). Mittlerweile hat sich jedoch Severstal von der Krise deutlich erholt und produziert wieder in größerem Umfang für seine Abnehmer, zu denen auch die deutschen Unternehmen BMW und Mercedes gehören. Russland ist weltweit der viertgrößte Stahlerzeuger, hinter China, Japan und den USA. Die Firmen Evraz, Severstal und Magnitogorsk gehören den zwanzig größten Stahlunternehmen weltweit. Die russische Metallindustrie hat den Vorteil relativ niedriger Kosten, vor allem durch geringe Strompreise und vergleichsweise günstige, aber gut qualifizierte, Arbeitskräfte. Andererseits muss die russische Metallindustrie auch mit einigen Nachteilen leben, wie einer geringen Inlandsnachfrage und einem Investitionsstau in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Es bedarf verstärkter Investitionen sowohl in den Ausbau der Infrastruktur als auch in die Modernisierung der Technologie. Die russische Metallbranche setzt bisher eher wenig auf die Weiterverarbeitung von Waren mit hohem Mehrwert. Dadurch ist die russische Metallindustrie bisher stärker als andere Erzeugerländer von den schwankenden Preisen auf den internationalen Märkten abhängig. Da die Produktion in den russischen Werken meist besonders energieintensiv ist, könnten auch steigende Energiepreise einen negativen Effekt auf die russische Metallindustrie haben (vgl. Elektrotechnik, 3. November 2011). Auch in der Aluminiumsparte hat Russland in den Krisenjahren 2008 und 2009 einen
deutlichen Einbruch erlebt. Doch ebenso wie in der Stahlindustrie gibt es bei der Aluminiumproduktion deutliche Erholungstendenzen. Russland besitzt mit Russkij Aljuminij (Rusal) den weltweit größten Aluminiumproduzenten. Das Unternehmen betreibt Schmelzwerke und Aluminiumhütten in 19 Ländern. Rusal treibt jetzt die Modernisierung seiner Produktionsanlagen konsequent voran (vgl. GTAI, 16. Juni 2011) Seltene Erden: Ein Exportschlager der Zukunft? Im Bereich der seltenen Erden wird sich Russland in den nächsten Jahren stärker als bisher engagieren. So befinden sich etwa 20 Prozent des Weltvorkommens in Russland, aber das Land stellt nur 2 Prozent der weltweiten Förderung. Die Verarbeitung findet meist im Ausland statt - zum Beispiel in Estland und Kasachstan. Diese Arbeitsteilung rührt zum Teil noch aus
sowjetischer Zeit her. Die russische Regierung hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 etwa 10 Prozent der Weltförderung zu erreichen.
Da China, das bisher 95 Prozent des weltweiten Bedarfs deckt, in den letzten Jahren seinen Export verringerte, aber der Verbrauch seltener Erden ständig wächst, haben sich diese in den letzten Jahren stark verteuert. Zudem benötigt Russland auch zunehmend seltene Erden bei der Modernisierung seiner Industrie und hat damit nun ein verstärktes Interesse daran diese selbst zu fördern (vgl. russland-heute.de, 5. November 2012)

 

Fazit

 

Vor seiner erneuten Wahl zum Präsidenten versprach Putin ökonomische Reformen um die Wettbewerbsfähigkeit Russlands zu stärken. So nannte er in einem Interview mit einer russischen Zeitung im Januar 2012 als Hauptprobleme den „Mangel an Transparenz, fehlende Kontrolle von Beamten, Zöllen, Finanzämtern, des Justizsystems und der Ordnungskräfte" (vgl. russland.ru, Januar 2012). Seit seiner Wiederwahl hat Putin diese Probleme jedoch nur wenig in Angriff genommen. Es ist noch nicht ersichtlich, ob die im Herbst 2012 angefachte Antikorruptionskampagne wirklich die massive Korruption auf sämtlichen staatlichen Ebenen des Landes bekämpfen soll oder ob sie nur dazu dient, missliebige Politiker und Beamte zu diskreditieren und ihre Absetzung zu erzwingen. Die sehr umständlichen und langwierigen Zollprozeduren behindern vor allem exportorientierte russische Unternehmen, die ja häufig auch Produkte für ihre Fertigung aus dem Ausland
einführen müssen. Die angestrebte Modernisierung der Wirtschaft ist bisher erst in wenigen Bereichen erfolgt. Zudem ist es nicht gelungen die Abhängigkeit Russlands vom Rohstoffsektor zu reduzieren. In den letzten Jahren ist diese Abhängigkeit sogar noch größer geworden. Branchen wie der russische IT-Sektor, insbesondere der Software-Bereich, der in den letzten Jahren seine Exporte um jeweils ein Drittel steigern konnte, bilden hier eine positive Ausnahme (vgl. GTAI, 24. Februar 2012) Es wird nicht deutlich, wie die Regierung unter Ministerpräsident Medwedew die russische Wirtschaft stärker diversifizieren will. Teilweise wirkt die russische Wirtschaftspolitik widersprüchlich und planlos. Offensichtlich ist auch der Einfluss der großen Energieunternehmen des Landes auf diese russische Politik sehr stark, was deren Vorzugsbehandlung gegenüber anderen Branchen erklärt. Russlands Wirtschaft wird jedoch in den nächsten Jahren weiter wachsen, zumindest wenn es keinen weltweiten Rückgang der Rohstoffpreise geben sollte. Um jedoch das Wachstum gegen Rückschläge, wie die der Jahre 2008 und 2009, stärker abzusichern, müssen der Export auf eine breitere Grundlage gesetzt und neue Wachstumsbranchen erschlossen werden. Auch der Ausbau und die Verbesserung der Infrastruktur sind dringend erforderlich. Hier hat die russische Regierung gehandelt und ein sehr umfangreiches Infrastrukturprogramm verabschiedet. Gerade diese Kombination aus wirtschaftlichen Wachstum und notwendiger Modernisierung machen Russland für deutsche Unternehmen besonders interessant. Russland ist und bleibt ein Markt mit gewissen Risiken, aber auch mit sehr großen Chancen und Zukunftspotential - ganz besonders für die deutsche Wirtschaft!